Kindertagesstätten von Elterninitiativen

Vom Kinderladen der 60 er zur Initiativ-Gruppe heute

Ihren Ursprung haben Elterninitiativen in der Studentenbewegung der sechziger Jahre. Zu dieser Zeit gründeten politisch und pädagogisch engagierte Eltern, die überwiegend aus dem studentischen Milieu kamen, Betreuungsgruppen für ihre Kinder. Da diese Gruppen oft in ehemals gewerblich genutzten Räumen untergebracht wurden, sprach man von „Kinderläden".

Die Gemeinsamkeiten der Eltern früher und deren politischen und pädagogischen Ideale findet man heute nicht mehr unbedingt. Trotzdem finden sich auch jetzt noch Elterngruppen zusammen, um gemeinsam eine Initiative-

Einrichtung zu gründen, nach ihren Vorstellungen und Wünschen aufzubauen und mitzutragen.

Vorrangige Motive für die Eltern damals waren, dass es zu wenig Betreuungsmöglichkeiten gab und sie zudem die bestehenden Betreuungsinstitutionen ablehnten. Sie waren ihnen von der Erziehung her zu restriktiv und autoritär und hielten an in ihren Augen überkommenen Wertvorstellungen fest. Stattdessen wünschten sich die Eltern für ihre Kinder eine lustbetonte, repressionsfreie Erziehung. Ziel war dabei auch, den Kindern eine entsprechende politische Einstellung zu vermitteln und sie zu solidarisieren. Die „Kinderläden" waren also eine hochpolitische Angelegenheit.

Diese Ursprünge liegen 30 Jahre zurück. Heute hat sich das Selbstverständnis der Initiativen vielfach gewandelt. Auch ohne politische Motivation suchen Eltern heute nach Alternativen zur bestehenden Kinderbetreuung - häufig, weil es nicht genug öffentliche Einrichtungen gibt und die zudem ungünstigen Öffnungszeiten haben, oft aber auch aus pädagogischer Überzeugung. Einrichtungen in Initiativträgerschaft sind eingebunden in das System öffentlicher Förderung und Aufsicht wie alle anderen Einrichtungen. Jedoch können viele Rahmenbedingungen  von den Eltern mitbestimmt werden, z. B. Erziehungsstil und -inhalte.

Sie setzen sich intensiv, kreativ und kritisch mit dem pädagogischen Angebot und Konzept auseinander, die Kindertageseinrichtungen werden so als die „eigene" Einrichtung erlebt und verstanden.

Die Eltern treten in den Verein der Initiative ein. Einige dieser Mitglieder werden bei der jährlichen Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt. Dieser vertritt die Einrichtung in der Öffentlichkeit, erledigt die Verwaltungsarbeit und organisiert die anfallenden Elterndienste. Die Elternversammlung trifft sich regelmäßig, um organisatorische und pädagogische Themen zu besprechen.

In Velbert betreiben  6 Initiativen Kindertageseinrichtungen, deren Träger die Eltern sind. Nach einem Beschluss des Velberter Jugendwohlfahrtsausschusses werden sie finanziell zu 100% unterstützt, so dass die Eltern auch hier nur neben dem Essensgeld und dem normalen Kindergartenbeitrag eine geringfügige finanzielle Belastung haben.

In den meisten Einrichtungen sind ehrenamtliche Arbeiten aber unumgänglich. Durch diese freiwilligen Arbeiten werden Kosten eingespart, die die Eltern sonst zu tragen hätten.

Ulrike Thiessen